Konzept bilingualer Zweig an der Luther-Schule


1. Ziele
2. Immersionsmethode
3. Lehrplan
4. Fächerauswahl und Lerngruppenstruktur
5. Unterricht und Leistungsbewertung
6. Englischsprachige Wahlangebote im Offenen Ganztag
7. Kontinuität und Nachhaltigkeit

In der Hansestadt Lübeck wurde eine Initiative ins Leben gerufen, um den bilingualen Unterricht an Lübecker Schulen zu fördern. In diesem Zusammenhang wurde auch die Luther-Schule angesprochen. Zudem kooperiert die Luther-Schule im Schulminiprojekt schon seit einigen Jahren mit der Kita Haus Melanie, die bereits Englisch für ihre Kinder anbietet. Hier ist die Nachfrage der Eltern nach weiterführenden Angeboten aufgetreten, um das Gelernte nicht einfach versiegen zu lassen.
Hinzu kommt, dass die Luther-Schule als DaZ-Zentrum Kindern, die aus einem englischsprachigen Land oder von einer englischsprachigen Schule kommen, die Gelegenheit bieten kann, neben der Teilnahme am bilingualen Unterricht durch Förderung im Rahmen der DaZ-Angebote sehr schnell und effektiv in die Deutsche Sprache eingeführt zu werden.
Dies war für die Luther-Schule die Ausgangslage für das Einrichten eines bilingualen Zweiges.

1. Ziele
Sehr gute Sprachkenntnisse werden zunehmend wichtiger in einer globalen Welt und gelten als Schlüsselkompetenz. Die Europäische Union empfiehlt daher, dass alle Kinder während der Schulzeit neben der Muttersprache möglichst zwei Fremdsprachen auf einem hohen, berufstauglichen Niveau erwerben. Auch aktuelle Ergebnisse der Lern- und Hirnforschung weisen darauf hin, dass Kinder im Grundschulalter besonders günstige Voraussetzungen für das Erlernen von Fremdsprachen mitbringen.
Der Zweitsprachenerwerb kann ähnlich mühelos verlaufen wie das Erlernen der Muttersprache, wenn den Kindern ein natürlicher Zugang zur Fremdsprache ermöglicht und zentrale Voraussetzungen beachtet werden. Der Sprachkontakt sollte so früh wie möglich beginnen, über einen längeren Zeitraum kontinuierlich erfolgen sowie intensiv und strukturell vielfältig sein, also die gesamte Sprache erfassen und nicht auf einzelne Bereiche beschränkt sein (vgl. Leitfaden für die Einrichtung von Immersionsangeboten an Grundschulen, Kersten et al., Kiel 2009).

In bilingualen Klassen wird eine Lernumgebung geschaffen, in der die Voraussetzungen für das Erlernen einer zweiten Sprache günstig sind. Ziel ist es, die Zweitsprache früher als im herkömmlichen Unterricht einzuführen, um so die guten Voraussetzungen zu nutzen und einen regelmäßigen Kontakt und Umgang zu ermöglichen.

2. Immersionsmethode
Immersion stammt im Ursprung vom englischen Wort „to immerse“ (eintauchen) ab, so dass dieser Ansatz auch als Sprachbad erklärt wird. Es ist die Methode, die dem muttersprachlichen Spracherwerb am Nächsten kommt und sie gilt weltweit als die erfolgreichste Methode des Sprachenlernens.
Anders als im herkömmlichen Unterricht erlernen die Kinder die Sprache nicht isoliert, d.h. dass die Sprache nicht mehr Gegenstand des Unterrichtes ist. Die Kinder erlernen die Sprache durch den regelmäßigen Kontakt bei alltäglichen Aktivitäten und Ritualen und durch den hohen sprachlichen Input. Außerdem wird die Sprache sachbezogen in bestimmten Fächern vermittelt.

3. Lehrplan
Alle Unterrichtsinhalte richten sich nach dem entsprechenden schleswig-holsteinischen Lehrplan des jeweiligen Faches. Die Inhalte entsprechen damit denen der Regelklassen. Durch Einsetzen der Immersionsmethode erlernen die Kinder zusätzlich Englisch.

4. Fächerauswahl und Lerngruppenstruktur
Für den fremdsprachlichen Fachunterricht besonders geeignet sind wenig abstrakte Fächer wie z.B. HWS, Sport, Musik und Kunst, in denen viele Anschauungsmaterialien die Sachinhalte visualisieren können. Erstrebenswert ist es, dass möglichst viele Nebenfächer auf Englisch unterrichtet werden (HWS, Kunst, Sport, Musik, EDV). Die Umsetzung dieses Zieles ist personalabhängig und kann daher von Jahrgang zu Jahrgang variieren. Nach den Erkenntnissen und Erfahrungen der Eingangsphase ist zu prüfen, ob Teile des Mathematikunterrichts in den bilingualen Unterricht einbezogen werden können.
Der Deutschunterricht ist für den bilingualen Unterricht komplett ausgeklammert. Ausdrucksfähigkeit, die Gestaltung von Texten, spezifische Formulierungen von Sach- und Gebrauchstexten usw. sind geforderte Schlüsselqualifikationen des Lehrplans, die man nur in deutscher Sprache erreichen kann.
Es soll eine Klasse pro Jahrgang bilingual unterrichtet werden. Neben der bilingualen Klasse wird es je nach Anmeldungen ein oder zwei Regelklassen an der Luther-Schule geben, so dass die Eltern die Wahlmöglichkeit haben. Die bilinguale Klasse ist für alle Kinder offen. Sollten mehr Anmeldungen als vorhandene Plätze vorliegen, entscheidet das Losverfahren darüber, welche Kinder angenommen werden. Seiteneinsteiger sind je nach Kapazität möglich.

5. Unterricht
Der Unterricht unterscheidet sich im Aufbau nicht vom regulären Unterricht. In den ersten Wochen des Anfangsunterrichtes werden die Kinder an den Umgang mit der neuen Unterrichtssituation bzw. –sprache gewöhnt. Da die Kinder zunächst kaum oder keine Kenntnisse im Englischen haben, muss der Unterricht so gestaltet sein, dass alle Inhalte auch ohne Sprache verständlich wären. Dabei wird bildunterstützt und mit vielen Wiederholungen gearbeitet, um Sicherheit zu vermitteln. Es sollen zunächst Rituale wie Begrüßung, Morgenkreis, das gemeinsame Frühstück, Verabschiedung usw. in Englisch erfolgen.
Wichtig in dieser Anfangszeit ist es, den Kindern mit Hilfe möglichst eindeutiger Mimik, Gestik, Handlungen, Gegenständen und Bildern die Bedeutung des Gesagten zu vermitteln. Durch einen variantenreichen Input und die Verwendung einer handlungsbegleitenden, altersgemäßen, nicht aber strukturell vereinfachten Fremdsprache wird das Lernen gefördert.
Da die Inhalte im ersten Schuljahr noch sehr konkret sind, können die Kinder sie zumeist auch ohne Kenntnis fremdsprachlicher Wörter gut nachvollziehen. Die Kinder begreifen und lernen hauptsächlich dadurch, dass sie genau hinschauen und mitmachen. So soll in der ersten Zeit möglichst schnell ein Schulbasiswortschatz (Dinge des Schulalltages) aufgebaut werden. Soweit möglich soll der Unterricht seitens der Lehrkraft einsprachig auf Englisch stattfinden. Die Schülerinnen und Schüler antworten je nach Vermögen auf Deutsch oder Englisch.
Das englische Schriftbild ist vom ersten Tag des Unterrichts im Klassenraum z.B. als Beschriftung der Regale, Kalender, Bücher usw. und auf den Arbeitsbögen präsent, wobei es zunächst weitestgehend unkommentiert bleibt, um bei der Aussprache die Kinder nicht zu verunsichern. Ab dem 2. Schuljahr sollen die Kinder das Schriftbild der Vokabeln wiedererkennen (z.B. Schriftbild und Bild verbinden), da dann der Leselernprozess in Englisch beginnt. Dieser Prozess wird durch das Vorlesen von Sach- und Bilderbüchern unterstützt. Von der Schule wird beim Land Schleswig-Holstein ein/e Fremdsprachenassistent/in beantragt. Diese Muttersprachler sollen unterstützend in den bilingualen Unterricht am Vormittag einbezogen werden.
Fachbegriffe in den bilingual unterrichteten Fächern werden den Kindern sowohl in Englisch als auch in Deutsch vermittelt. Die Leistungsbewertung erfolgt in den ersten zwei Jahren über das Hörverständnis, Zuordnungsaufgaben und mündliche Beteiligung (auch wenn diese in deutscher Sprache erfolgt). In den Klassenstufen 3 und 4 wird die Schriftsprache immer stärker eingebunden und bewertet.
Die Zeugnisse sind identisch mit denen aller anderen Schüler/ -innen der Schule, beinhalten aber einen Zusatz bezüglich des Englischen.

 

6. Englischsprachige Wahlangebote im offenen Ganztag
Der Offene Ganztag soll durch Muttersprachler, so genannte „native speakers“, bereichert werden. Diese ermöglichen den Kindern einen weiteren Zugang zur englischen Sprache, da die „native speakers“ die Sprache noch authentischer sprechen als die deutschen Lehrkräfte. Mit Hilfe der Muttersprachler könnte neben der deutschen Schülerbücherei eine englische Bücherei eingerichtet werden. Hier könnten sich die Kinder z.B. mit den Muttersprachlern zu Leseevents treffen. Als weitere Angebote wären auch eine englische Theatergruppe und ein englischsprachiger Kochkurs mit Rezepten aus dem Herkunftsland des Muttersprachlers denkbar.

7. Kontinuität und Nachhaltigkeit
Die erworbene Sprachfähigkeit soll nach Möglichkeit nach der Grundschulzeit weiter vertieft und gefestigt werden. Im Zuge der genannten Initiative zur Einführung des bilingualen Unterrichtes in Lübeck sollen noch weitere Gemeinschaftsschulen und Gymnasien für den bilingualen Unterricht gewonnen werden. An diesem Projekt ist auch die Grund- und Gemeinschaftsschule Tremser Teich beteiligt. Mit dieser soll durch regelmäßige Treffen und Absprachen zusammengearbeitet werden. Auch sollen Hospitationen für deren Lehrkräfte angeboten werden, um so einen gelungenen Übergang an die weiterführende Schule zu ermöglichen. Des Weiteren besteht bereits ein bilingualer Zweig am Thomas-Mann-Gymnasium in Lübeck, so dass die Kinder beim Übergang nach der 4. Klasse sowohl an einer Gemeinschaftsschule als auch am Gymnasium weiterführende Angebote haben werden.
Das Projekt bilingualer Unterricht soll regelmäßig in Zusammenarbeit mit dem Schulamt evaluiert werden.

 



Bilingualer Unterricht in Klassenstufe 1

In Klassenstufe 1 sollen nach der Eingewöhnungsphase mit dem bilingualen Unterricht begonnen werden. Soweit es die Stundenzuteilung erlaubt, erhalten die Kinder der bilingualen Klasse eine zusätzliche Stunde HWS (englischsprachig).

 

Möglicher Stundenplan einer ersten bilingualen Klasse:

Zeit Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag
1. HWS / ES  –
2. Deutsch HWS / ES Mathe Deutsch HWS / ES
3. Musik / ES Mathe Deutsch HWS / ES Deutsch
4. Mathe Deutsch Kunst / ES Mathe Mathe
5. Religion / Philosophie Deutsch Sport / ES Kunst / ES Sport /ES

ES = englisch sprechend


Bilingualer Unterricht ab Klassenstufe 3 /4

Der reguläre Englischunterricht ab Klasse  3/4 sollte mit Schlüsselqualifikationen des Deutschunterrichtes aufgewertet werden. So könnten die Schwerpunkte auf eigene Textproduktionen,  Literatur und die Anwendung von Gebrauchs- und  Sachtexten liegen.

Möglicher Stundenplan einer dritten bilingualen Klasse:

Zeit Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag
1. Mathe Deutsch Deutsch Mathe Mathe
2. Deutsch HWS / ES Mathe Deutsch Deutsch
3. HWS / ES EDV / ES HWS / ES Deutsch HWS / ES
4. Kunst / ES Englisch Kunst / ES HWS / ES Englisch
5. Religion / Philosophie Mathe Sport / ES Musik / ES Sport /ES
6. Musik / ES        

ES = englisch sprechend